I Litzeneigenschaften: Haupteinflüsse der Konstruktionsparameter

Das Leistungsprofil einer Litze wird durch ihre elektrischen, mechanischen, thermischen und chemischen Eigenschaften und Beständigkeiten bestimmt. Während die thermischen und chemischen Anforderungen durch die Verwendung geeigneter Isolationsmaterialien gewährleistet werden, sind die elektrischen und mechanischen Eigenschaften im Wesentlichen von den gewählten Konstruktionsparametern der Verseilung abhängig.

Die nachfolgende Tabelle gibt beispielhaft einen Überblick über den wechselseitigen Einfluss der Konstruktionsparameter auf die wichtigsten elektrischen und mechanischen Eigenschaften einer Basislitze.

 

Generelle Einflussfaktoren der Litzen-Konstruktionsparameter auf die Litzeneigenschaften

 

Konstruktionsparameter
Leitermaterial

Nenndurchmesser

Einzeldraht

Ø ED

Anzahl

Einzeldrähte

n ED

Anzahl Bündel

& Verseilstufen

Schlaglänge SL

je

Verseilstufe

Schlagrichtung SR

je

Verseilstufe

Zunahme

der

Lackierung

Litzen-

eigenschaften

elektrisch

 Gesamtquerschnitt Leitermaterial

 ALeitermat,Litze; Gleichstromwiderstand RDC

XXX

 Hochfrequenzwiderstand RAC

 HF-Verluste

XXXX
 Stromdichte J = I/ALeitermat,LitzeXX
 Füllfaktor Litze ALeitermat,Litze/Ages,LitzeXXXXX
 Durchschlagsspannung UBDVX

mechanisch

(ALeitermat,Litze = konst.)

 Außendurchmesser OD Litze;

 Gesamtquerschnitt Litze Ages,Litze

XXXXXXX
 FormstabilitätXXXXX
 FlexibilitätXXXX
 BiegewechselfestigkeitXXXX
 ZugfestigkeitX
 Oberflächenstruktur, RundheitXXXXX

 Tabelle 1

 

 

Man erkennt zum einen, dass eine konkrete Litzeneigenschaft durch mehrere Konstruktionsparameter beeinflusst werden kann. Zum anderen wird deutlich, dass die Änderung eines Konstruktionsparameters gleichzeitig immer auch mehrere Litzeneigenschaften beeinflusst. Allerdings ist für jeden der vielfältigen Einsatzbereiche der Litzen zur Erfüllung des jeweiligen Anforderungsprofils nur die Optimierung einer anwendungsbezogenen Auswahl o. g. Kriterien notwendig.

Nachfolgende Tabelle zeigt z.B. die auf typische Litzenkriterien für HF-Wickelgüter reduzierte Übersicht:

 

Haupteinflussparameter für HF-Wicklungen

 

 

 Konstruktionsparameter

 Nenndurchmesser

 Einzeldraht

 ∅ED

 Anzahl

 Einzeldrähte

 nED

 Anzahl Bündel

 & Verseilstufen

 Schlaglänge SL

 je

 Verseilstufe

 Schlagrichtung SR

 je

 Verseilstufe

Litzen-

eigenschaften

elektrisch

 Gesamtquerschnitt Leitermaterial A Leitermat;Litze;

 Gleichstromwiderstand  RDC

XX

 Hochfrequenzwiderstand RAC; 

 HF-Verluste

XXX
mechanisch

 Außendurchmesser  ODLitze;

 Gesamtquerschnitt Litze Ages;Litze;

XXXXX

 Flexibilität

 

XXXX

 

 Tabelle 2

 

Dennoch ist es in der Praxis in der Regel auch hier nicht möglich, alle Forderung gleichermaßen zu erfüllen, sodass, in Abstimmung mit dem Kunden, anwendungsbezogen eine Gewichtung der gewünschten Eigenschaften festgelegt werden muss. 

Die gewählte Konstruktion ist dann in der Regel ein Produkt, das sowohl Leistungseigenschaften und Verarbeitbarkeit, als auch wirtschaftliche Bedingungen anforderungsspezifisch berücksichtigt.

 

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II Auswahl des Einzeldraht-Nenndurchmessers

Die richtige Auswahl des Nenndurchmessers ist einer der wichtigsten Schritte bei der Auswahl der Litzenkonstruktion, da diese sich unmittelbar im elektrischen HF-Verhalten der Litze bemerkbar macht (s.RAC/RDC-Ratio) und gleichzeitig auch alle mechanischen Eigenschaften beeinflusst.

(s.Tab. 2.)

Zur Vorauswahl für die meisten HF-Applikationen hat es sich für viele Anwender als praxisnahes und unkompliziertes Verfahren bewährt, anhand von in der Literatur verfügbaren Zuordnungstabellen den Einzeldrahtdurchmesser zunächst auf die dominierende Betriebsfrequenz des Bauteils und die hier zu erwartenden Stromeindringtiefen δ anzupassen (s. Tabellenrichtwerte).

Generell gilt:


Je höher die Betriebsfrequenz, desto dünner ist der notwendige Einzeldraht. Um dabei vereinfacht die Wechselwirkungen verschiedener Bündeldurchmesser ODBündel mit der Skin-Tiefe δ zu berücksichtigen, sollte die maximale Einzelleiterdicke etwa ein Drittel von δ angenommen werden:   

ØED ≤ δ/3

Beispiel:  f = 200 kHz, δ ≈ 0,172 mm, ØED ≈ 0,063 mm;

Hinsichtlich des Einflusses auf die mechanischen Litzeneigenschaften kann dabei bei gleichem Gesamtkupferquerschnitt von folgenden Verhältnissen ausgegangen werden:

 

 Je kleiner der Einzeldraht-Nenndurchmesser bei gleichbleibendem Kupferquerschnitt, desto

  •  flexibler und weicher die Litze
  •  kleiner der minimale Biegeradius
  •  höher die Biegewechselfestigkeit
  •  größer der Gesamtaußendurchmesser
  •  geringer der Litzenfüllfaktor
  •  desto höher die Einzeldrahtkosten

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III Auswahl des Verseilungsaufbaus

Ist die Anzahl Einzeldrähte festgelegt, muss der Verseilungsaufbau anwendungsbezogen ausgewählt werden. Dünnere Litzen mit einer geringen Zahl von Einzeladern (typisch < 60) werden einstufig, dickere und komplexere Litzen mehrstufig verseilt. 

Die Verseilung wird durch die Festlegung  der Schlaglänge SL, Schlagrichtung SR und Anzahl der Bündel und Verseilstufen bestimmt. Durch geeignete Auswahl der Verseilparameter können die im Vorfeld priorisierten elektrischen, mechanischen, sowie für die Verarbeitung wichtigen Litzeneigenschaften berücksichtigt werden. 

 

Anzahl Bündel und Verseilstufen: 

Die über die Parameter Kupfergesamtquerschnitt, Widerstandsverhalten oder Stromdichte ermittelte notwendige Anzahl von Einzelleitern kann auf verschiedene Bündelungen und Anzahl Verseilstufen aufgeteilt werden. Dabei können bereits die Bündel der ersten Verseilstufe HF-optimiert ausgelegt werden. Ihre Einzelleiterzahl liegt hier typisch unter 60 Einzeldrähten.

Unter o.g. Anforderungen haben sich in der Praxis bei zwei- oder höherstufigen Aufbauten im Wesentlichen 4 Grundverseilungen (letzte Verseilstufe) herausgebildet: Die 3er, 4er, 5er und konzentrische 7er-Bündelung.

 

           "5er-Bündelung"            "7er-Bündelung"

 

3er, 4er und 5er-Bündelungen
Diese Verseilungen zeigen eine gute Verseilbarkeit mit statistisch homogener Verteilung des Einzeldrahtes über den Litzenquerschnitt, sodass diese für Anwendungen mit optimalen HF-Eigenschaften bevorzugt werden. Der 5er-Aufbau wird dabei aufgrund der mit wachsender Bündelzahl zunehmenden Rundheit des Profils bevorzugt. 

 

7er-Bündelung
Dieser konzentrische Aufbau, auch „1+6 Bündelung“ genannt, zeigt eine hohe Flexibilität bei guter Formstabilität und Rundheit. Ein Bündel läuft hierbei immer zentrisch, sodass diese Konstruktion für Anwendungen mit hohem Anspruch an das HF-Verhalten weniger geeignet ist. Um Längenunterschiede der Bündel im letzten Verseilschritt auszugleichen, weist bei der Teilbündelvorverseilung das zentrische Bündel immer eine zu den äußeren Bündeln gegensinnige Verseilrichtung auf. Die Verseilrichtung des Zentralbündels entspricht dann immer der Orientierung des letzten Verseilschritts. 
 

Die oben aufgeführten Grundkonstruktionen können bei mehr als zwei Verseilstufen je nach Komplexität des elektrischen und mechanischen Anforderungsprofils auch miteinander kombiniert werden.

 

Auswahl der Schlaglängen und -richtungen: 

Die Schlaglänge bestimmt die mechanische Kompaktheit und das HF-Verhalten eines Bündels. Als Maß für die Stärke der Verwürgung kann der sogenannte Verseilfaktor VF genommen werden. Er stellt die Schlaglänge SL in das Verhältnis zum Bündelaußendurchmessers ODBündel und liegt im letzten Verseilschritt, falls nicht anders definiert, typisch im Bereich 15-20 mm:   

 

Verseilfaktor VF = SL/ODBündel 

 

Beispiel: VF = 5,0mm / 0,3mm = 16,7 

Für die Stufen der Vorverseilung wird abhängig von der Schlagrichtung SR der Verseilfaktor in vielen Fällen auch deutlich größer gewählt. 

Bei der Auswahl der Schlaglängen SL und Schlagrichtungen SR kann grundsätzlich von folgenden Zusammenhängen ausgegangen werden:

 

Die Schlaglänge beschreibt die Länge der Strecke, die ein einzelner Draht in der Litze für einen kompletten Umlauf (360°) benötigt.

  • Je kleiner die Schlaglänge,

    -desto kompakter, steifer und formstabiler ist die Bündelung

    -desto größer ist der Bündelaußendurchmesser

  • bei gefordertem optimalen HF-Verhalten ist eine gleichgerichtete Verseilrichtung der Verseilstufen zu bevorzugen

  • gegen gerichtete Verseilrichtung mehrerer Verseilstufen sind bei komplexen Litzen dort zu bevorzugen, wo eine hohe mechanische Flexibilität gefordert wird

  • Bei Wickelgütern sollte die Schlaglänge SL der Litze im Bereich des kleinsten Wicklungsdurchmessers sein

     

     

    Verschiedene Aufbauvarianten einer Litze 270 x 0,071 mm

    LitzeAufbauvariante

    Schlagrichtung 

    SR

    Schlaglängen SL

    (mm)

    Verseilfaktor VFEigenschaften
     270 x 0,071 mm(54 x 0,071 mm) x 3S,S20;26≈ 15

     günstiges HF-Verhalten, groberes

     dreikantiges Litzenprofil

    ((30 x 0,071 mm) x 3) x 3S,S,S20;26;26≈ 20

     günstiges HF-Verhalten, kompakte

     Verseilung

    ((18 x 0,071 mm) x 3) x 5S,S,S20;26;26≈ 20

     günstiges HF-Verhalten, kompakte

     Verseilung, gleichmäßige Oberfläche und Litzenprofil

    ((18 x 0,071 mm) x 3) x 5S,S,Z20;20;26≈ 15 feinere Litzenstruktur/- oberfläche
    (39 x 0,071 mm) x 7;konz.S+Z,S20+20;24< 13

     sehr rundes, formstabiles Litzenprofil,

     hohe Flexibilität

    Tabelle 3

     

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IV Beispiel: Litze für HF-Lagenwicklung

In vielen Fällen werden HF-Spulen als Lagenwicklungen mit einer relativ niedrigen Windungszahl ausgeführt. In der Regel werden hier umsponnene Litzen eingesetzt, da ein exaktes Verlegen nur mit Litzen möglich ist, die auch unter Wickelspannung ihr rundes Profil auf dem Spulenkörper beibehalten. In einigen Fällen sind auch nicht umsponnene Litzen (Basislitzen) einsetzbar, hier ist dann auf einen möglichst festen, formstabilen Aufbau zu achten. Das dennoch nicht vermeidbare leicht elliptische Flachlegen der Litze muss dann durch die Wahl eines leicht reduzierten Gesamtaußendurchmessers der Litze kompensiert werden. Bei einem vorgegebenen maximal zulässigen Außendurchmesser kann in diesem Fall die umsponnene Litzenkonstruktion einen höheren Kupferquerschnitt aufweisen als die nicht umsponnene Variante. 

 

Beispiel:

Als Beispiel wird eine vereinfachte Vorgehensweise zur Vorauswahl einer Litzenkonstruktion für eine Lagenwicklung mit angenommenen 30 Windungen und einer Betriebsfrequenz von 200 kHz betrachtet. Vorausgesetzt ein effektiv nutzbares Wickelfenster von b x h = 25,8 mm x 8,0 mm Größe.  

 

Lagenaufbau 

Die Lagenwicklung kann abhängig von der Wickeltechnologie mit gleicher Windungszahl je Lage oder wechselseitig mit einer Windung Differenz je Lage aufgebaut werden. Zur Vorauswahl ist es möglich, überschlagsweise mit gleicher Windungszahl je Lage zu kalkulieren. Dies ergibt für das nutzbare Wickelfenster 3 Lagen mit je 10 Windungen,
sowie einem theoretischen max. Außendurchmesser der verlegten Litze von 25,8 mm/10 = 2,58 mm. 

 

Einzeldrahtdurchmesser 

Je höher die verwendeten Betriebsfrequenzen sind, desto dünner werden die einzusetzenden Einzeldrähte. Dabei steigen im Allgemeinen die Kosten für den Einzeldraht mit abnehmendem Nenndurchmesser ØED, sowie für den Verseilaufwand mit steigender Komplexität der Litze. Hinsichtlich der Wechselwirkung der Stärke der Unterverseilung (Teilbündel) mit der frequenzabhängigen Stromeindringtiefe δ kann zur Auswahl des Einzeldrahtnenndurchmessers näherungsweise etwa das Verhältnis ØED ≈ δ/3 angesetzt werden. Es stellt in der Praxis einen guten Kompromiss zwischen Frequenzverhalten und Kosten dar. Je nach Anwendung und Anforderung sind aber auch Abweichungen erlaubt und üblich. Ein Nenndurchmesser von ØED = 0,063 mm ist für den vorliegenden Fall als Ersatzansatz zunächst ausreichend (s. Bsp. oben, Abschn II). 

 

Verseilungsaufbau 

Der Litzenaußendurchmesser hängt von der Formstabilität der Litze beim Wickelprozess ab. Vom kalkulierten max. Außendurchmesser der verlegten Litze (Ø 2,58 mm, s.o.) sollten in diesem Fall für eine umsponnene Litze als Erfahrungswert ca. 10% (Ø 2,32 mm) und für eine nicht umsponnen Variante ca. 15-20% (Ø 2,19 mm) abgezogen werden.
Die nicht umsponnene Litze sollte kompakt, d.h. z.B. mit kürzeren Schlaglängen und gleichgerichtet orientierten Verseilstufen aufgebaut werden. Als Verseilungen werden hier 5er- bzw. 4er-Bündelungen bevorzugt.

Nachfolgende Tabelle zeigt einen Vergleich von geeigneten umsponnenen und nicht umsponnenen Litzenvarianten für Betriebsfrequenzen von 50, 125 und 200 kHz.

  

Litzenauslegung für eine HF-Wicklung am Beispiel eines Wickelfensters b x h = 25,8 mm x 8,0 mm

                                                  
praxisorientierter Ansatz
Frequenz [kHz]50125200
Gesamtanzahl Windungen Nw,ges 303030
Anzahl Lagen NL (Lagenwicklung)333
Anzahl Windungen pro Lage NW,L 101010

Außendurchmesser

Litze (Grad 1)

ODLitze [mm]

ohne Umspg.2,192,192,2
mit Umspg.2,322,322,32

Nenndurchmesser Einzeldraht

ØED [mm]

0,1000,0800,063

Füllfaktor Litze

FüllLitze [%]

ohne Umspg.48,246,546,1
mit Umspg.47,045,444,9

Füllfaktor

Wickelfenster

FüllFenster [%]

ohne Umspg.25,925,624,9
mit Umspg.29,128,027,2

typische

Litzenkonstruktion

ohne Umspg.

225 x 0,100 mm

5x(45x0,100mm)

350 x 0,080 mm

5x(5x(14x0,080mm)

550 x 0,063 mm

5x(5x(22x0,063mm))

mit Umspg.

255 x 0,100 mm

5x(51x0,100mm)

380 x 0,080 mm

5x(4x(19x0,080mm))

600 x 0,063 mm

5x(5x(24x0,063mm))

Tabelle 4 

 

Es ist erkennbar, dass in diesem Fall für die angestrebte Lagenwicklung 

  •  der Kupferfüllfaktor der umsponnenen Litze leicht geringer als der der Basislitze ist, die Anzahl der Einzelleiter und somit der Gesamtleiterquerschnitt der Litze aber ansteigt Grund ist hier, dass die Litze ohne Umspinnung zwecks Verlegbarkeit dünner ausgelegt werden muss.

  • der Kupferfüllfaktor des Wickelfensters hier typisch im Bereich 25-30% liegt, wobei er für die umsponnenen Litzen gegenüber den nicht umsponnenen Varianten aufgrund des größeren Kupferdurchschnitt höher ausfällt. 

  • die 5er-Bündelung einen gleichmäßigen Litzenaufbau mit Basisbündeln von deutlich weniger als 60 Einzeldrähten möglich

 

Kann auf eine Lagenwicklung verzichtet und eine wilde Wicklung eingesetzt werden, ist es möglich, durch Einsatz weicherer, sich flächiger aneinander anschmiegender Litzen den Kupferfüllfaktor des Wickelfensters noch einmal  zu erhöhen. Optional ist der Einsatz profilierter Litze möglich. Unabhängig davon sollte der Kupferquerschnitt der ausgewählten Litzen immer mit evtl. geforderten Stromtragfähigkeiten abgeglichen werden.

 

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V Vergleich: Vorauswahl nach Charles R. Sullivan

Ein weiteres Verfahren zur vereinfachten Vorauswahl von Litzen für HF-Wicklungen wird von Charles R. Sullivan von der Thayer School of Engineering in Dartmouth/USA im Rahmen seiner Veröffentlichung "Simplified Design Method for Litz Wire" vorgeschlagen. 

Als Parameter werden hier nur die Skin-Tiefe, die Betriebsfrequenz, die Anzahl Windungen im Wickelfenster, die Breite des Wickelfensters selbst und eine hieraus ermittelte Konstante k benötigt. Das Verfahren gibt dann eine Vorauswahl geeigneter Litzenkonstruktionen, bestehend aus Einzeldrahtdurchmesser, max. Anzahl Drähte im ersten Verseilschritt und Anzahl Teilbündel in jedem weiteren Verseilschritt an.

Hierbei wird in folgenden Schritten vorgegangen: 

 

(1):
Ermittlung der Skin-Tiefe δ in Abhängigkeit vom spezifischen Leiterwiderstand ρ, der Betriebsfrequenz f und Permeabilität µo

δ = √(ρ/(π*f*µo))


(2):
Festlegung der verfügbaren Breite b des Wickelfensters und der benötigten Anzahl Windungen NW,ges einer gegebenen Wicklung. Optional werden hier auch Anordnungen mit Luftspalt berücksichtigt.


(3):
Kalkulation tabellarischer Richtwerte für die empfohlenen Gesamtzahl ne von Litzeneinzelleitern für bzw. in Abhängigkeit von verschiedenen Einzelleiter-Nenndurchmessern ØED. Die tatsächlich eingesetzte Anzahl Einzelleiter für einen Nenndurchmesser darf vom kalkulierten Wert  bis zu ± 25% abweichen.  

ne = k*δ2*b/NW,ges


(4):
Auswahl des Einzeldraht-Nenndurchmessers und der Einzeldraht- Anzahl. Hierbei wird geprüft, welche der tabellarischen Leiterdurchmesser/-anzahl-Kombinationen gemäß vorgegebener Windungszahl in das Wickelfenster passen. Dabei wird von einem Wickelfenster-Kupferfüllfaktor von < 25-30% ausgegangen. Mögliche Forderungen zum Litzenwiderstand und der Stromtragfähigkeit sind abzugleichen. Ein Ausweichen auf optionale Konstruktionen mit dickeren Einzeldrähten ist möglich.


(5):
Zur Berücksichtigung der Wechselwirkung zwischen Skin-Tiefe und Bündeldicke: Kalkulation der max. Anzahl Einzelleiter n1,max des 1. Verseilschritts (Basisbündel) in Abhängigkeit von der frequenzabhängigen Skin-Tiefe δ und des gewählten Einzelleiter-Nenndurchmessers ØED

n1,max = 4*δ2/ ØED 2


(6):
Aufteilung der errechneten Gesamtzahl Einzelleiter, siehe (3), auf Unterverseilungen bzw. Kombinationen von 3er, 4er und 5er-Bündelungen.
Eine Empfehlung zu Schlaglängen und Verseilrichtungen der Verseilstufen wird in diesem Zusammenhang nicht angegeben, bzw. dem Litzenhersteller überlassen.

Nachfolgende Tabelle vergleicht die zuvor angeführte praxisbezogene Vorauswahl typischer Elektrisola-Aufbauten mit Konstruktionen gemäß Ch. R. Sullivan-Methode für eine Lagenwicklung mit Wickelfenster 25,8 mm x 8 mm und Betriebsfrequenzen von 50, 125, und 200 kHz:

 

  

Vergleich der Auslegungansätze am Beispiel eines Wickelfensters b x h = 25,8 mm x 8,0 mm

 

                                                  
praxisorientierter AnsatzAnsatz n. Ch. R. Sullivan
Frequenz [kHz]5012520050125200
Gesamtanzahl Windungen Nw,ges

30

3030303030
Anzahl Lagen NL (Lagenwicklung)3333

3

3
Anzahl Windungen pro Lage NW,L101010101010

Außendurchmesser Litze (Grad 1)

ODLitze [mm]

2,192,192,201,901,671,79

Nenndurchmesser Einzeldraht

ØED [mm]

0,1000,0800,0630,1000,0630,050
Füllfaktor Litze Füll Litze [%]48,246,546,147,044,844,6
Füllfaktor Wickelfenster FüllFenster [%]25,925,624,919,417,216,4
typische Litzenkonstruktion

225 x 0,100 mm

5x(45x0,100 mm)

350 x 0,080 mm

5x(5x(14x0,080 mm))

550 x 0,063 mm

5x(5x(22x0,063 mm))

170 x 0,100 mm

5x(35x0,100 mm))

375 x 0,063 mm

5x(5x(15x0,063 mm)

575 x 0,050 mm

5x(5x(23x0,0050 mm))

Tabelle 5

 

Die Tabelle zeigt, dass die mit dem praxisbezogenen Ansatz ausgewählten Litzenkonstruktionen in guter Übereinstimmung mit denen nach Sullivan-Methode ermittelten Aufbauten liegen und die empfohlenen Grundeigenschaften abdecken

  • die Gesamtleiterzahl der praxisbezogen Konstruktionsbeispiele liegen in vielen Fällen typisch innerhalb des nach Sullivan empfohlenen Bereichs
  • kombinierte Anwendung von 3er, 4er oder 5er-Bündelungsstrukturen sind integraler Bestandteil des von Elektrisola angewendeten Litzendesigns (s. Tab. 5)

  • die Einzeldrahtzahl der Grundbündel im ersten Verseilschritt sind aufbauunabhängig und Elektrisola-typisch innerhalb von 60 Einzeldrähte frei definierbar (s. Tab. 5)

  • die in diesem Fall kostengünstiger mit teilweise etwas dickeren Einzeldrähten (ØED ≈ δ/3) ausgelegten Konstruktionen (s. Tab. 5) weisen auch hier die nach Sullivan in vielen Fällen kalkulierten idealen Grundbündelungen von ≤ 64 bis 35 Einzeldrähten auf
  • zusätzlich kann bei diesen Ausführungsvarianten zusätzlich sowohl der Kupferfüllfaktor der Litze, als auch der des Wickelfensters angehoben werden (s. Tab. 5)
  • Durch angepasste Wahl der freien Schlaglängen und -richtungen ist die gleichzeitige Erfüllung weiterer Produktanforderungen möglich

Somit vereinbaren die von Elektrisola angewendeten Designkonzepte für HF-Litzen jederzeit sowohl praktische wie auch theoretische Anforderungsmerkmale.

                                                  

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Abkürzungen

 

ALeitermat,Litze=Gesamtquerschnitt Leitermaterial Litze
Ages,Litze=Gesamtquerschnitt Litze
ODLitze=Außendurchmesser Litze
ODBündel=Außendurchmesser Bündel
nED=Anzahl Einzeldrähte
ØED=Nenndurchmesser Einzeldraht
VF=Verseilfaktor
SL =Schlaglänge
SR=Schlagrichtung
RDC=Gleichstromwiderstand
RAC=Hochfrequenzwiderstand
f=Frequenz
ρ=spezifischer Leiterwiderstand
µO=Permeabilität des freien Raums
δ=Stromeindringtiefe  (Skin-Tiefe)
J=Stromdichte
UBDV=Durchschlagspannung
b=Breite Wickelfenster
h=Höhe Wickelfenster
NW,ges=Gesamtzahl Windungen
Nl=Anzahl Lagen
NW,L =Anzahl Windungen pro Lage
FüllLitze=Kupferfüllfaktor Litze
FüllFenster =Kupferfüllfaktor Wickelfenster
ne=empfohlene Gesamtzahl Einzelleiter
n1,max=Anzahl Einzelleiter des Basisbündels im 1. Verseilschritt
k=Konstante nach Ch. R. Sullivan

 

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